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Ökologie kennt in Europa keine Grenzen

11 Deutsch – Weißrussische Begegnungstagung  

 

Vom 28. April bis zum 05. Mai war die westfälische Männerarbeit wieder mit einer Gruppe von westfälischen Männern und Frauen ins Kinderzentrum Nadeshda in Belarus unterwegs. Unter dem thematischen Schwerpunkt Lokale Agenda Initiativen sowie Ökologische Landwirtschaft in Belarus gab es die sogenannte Ökologische Woche nun zum 11. Mal. Sie findet seit dem Jahr 2000 im Wechsel mal in Weißrussland und mal in Deutschland statt.

Besonders berührt zeigte sich die deutsche Delegation schon bei der Ankunft am Flughafen Minsk, als sie  von den weißrussischen Gastgebern mit Salz und Brot empfangen wurde.

 

Im weiteren Verlauf der Woche gab es eine gesunde Mischung von Theorie und Praxis. Zunächst wurden durch wissenschaftliche Dozentinnen aus Minsk die theoretischen Grundlagen geschaffen zum Stand der ökologischen Landwirtschaft und zur lokalen Agenda, später lernten wir dann die Praxis vor Ort kennen. Besonders beeindruckend war z. B. ein Besuch im Dorf Zalesje im Nordwesten von Belarus, einem Dorf, das verschiedene Projekte im Rahmen der Lokalen Agenda planen. Dazu gehörten so unterschiedliche Dinge wie ein Museum und eine Schreinerei. Gemeinsam mit ähnlichen Initiativen in Deutschland war der Idealismus, Mut und der Glaube an die Zukunft. Mit ähnlichen Motiven wurde auch die Idee zum Zentrum Nadeshda in den frühen 90er Jahren geboren.

 

So konnte auch von den deutschen Teilnehmern festgestellt werden,  dass beides -  die Grundgedanken der Lokalen Agenda, aber natürlich auch die ökologische Landwirtschaft auch im Kinderzentrum Nadeshda enthalten ist. Ein Gang durch die Filiale Nadeshda plus, die den Anbau von gesundem, nach ökologischen Kriterien, gepflanzten Gemüse, aber auch ein Gang durch den Rohbau des Anbaus der Mensaerweiterung und neuer Gästehäuser bestätigten dies.  

 

Schließlich bleibt festzustellen, dass die Gastfreundschaft unserer weißrussischen Freunde überwältigend war. Auch diejenigen Vertreter der deutschen Gruppe, die zum ersten Mal in Belarus waren, waren tief beeindruckt.  (Ralf Höffken)

 

 

15 Jahre Nadeshda

 

Am 24. September 1994 wurde das Unternehmen Nadeshda gegründet. Grund genug, im September des vergangenen Jahres das 15 jährige Jubiläum zu feiern. Auch 14 Frauen und Männer aus Westfalen waren in der Zeit vom 23. – 27. September dabei und informierten sich aufmerksam über die Entwicklung des Zentrums in den letzten Jahren.

Nach einer geschichtlichen und kulturellen Exkursion nach Minsk wurden wir ab dem 25. September intensiv über den besonderen Charme, aber auch über einige Probleme des Zentrums Nadeshda mit seinen drei Filialen 

  • Kinderzentrum zur Erholung und Rehabilitation von Kindern aus der Tschernobyl-Region
  • Nadeshda plus: Ökologischer Anbau von Obst und Gemüse für die Mensa des Kinderzentrums
  • Nadeshda tour: Sanfter Tourismus im Zusammenhang mit Ökologie und Gesundheit.

 

Dabei konnten wir uns auch davon überzeugen, dass die erste Filiale finanziell und personell immer noch die größte unter ihnen ist.

Auch wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus großen Teilen Deutschlands und Weißrusslands über das Umweltmanagement des Unternehmens sowie über das aktuell größte Investitionsvorhaben, dass  die Mitarbeiter und Teilhaber des Zentrums Nadeshda besonders beschäftigt: die Erweiterung der Mensa. Dabei gab es manch ein enttäuschtes Gesicht, da die Bauten an der Mensaerweiterung noch nicht begonnen hatten. Die eingenommenen Geldmittel waren noch nicht ausreichend genug, um mit den Bauarbeiten zu beginnen. Drei Monate später aber konnte sich unser Vorstandsmitglied Reinhard Müller während der Teilhaberversammlung in Nadeshda davon überzeugen, dass die Arbeiten an der Mensa nun begonnen haben.

Am Samstag, den 26. September kam dann das große Fest. Einige Festbeiträge von Vertretern der deutschen und der weißrussischen Gründungsmitglieder, von Experten aus dem Gesundheitsbereich und auch von staatlichen Stellen, ein großes kulturelles und musikalisches Fest und eine bis weit in die Nacht gehende Feier waren angemessener Rahmen für 15 Jahre Nadeshda.

Am eindrucksvollsten aber waren sicherlich die Gespräche, die wir mit den Kindern, die sich aktuell im Kinderzentrum aufhielten, und die auch heute noch unter den Folgen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 leiden. Diese Kinder tragen dazu bei, dass die beteiligten Frauen und Männer aus Deutschland hinterher meinten, dass das Engagement für das Zentrum Nadeshda unbedingt fortgesetzt werden muss.  (Ralf Höffken)

 

 

 

 

Soziale Projekte

Im Handlungsfeld soziale Projekte ist die Unterstützung des Kinderzentrums „Nadeshda in Weisrussland von zentraler Bedeutung. Dort erholen sich Kinder, die an den Folgen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl leiden. Hervorgegangen ist dieses Engagement aus der Versöhnungsarbeit mit den Völkern Osteuropas und es wurde und wird von westfälischen Männern großzügig finanziell aber auch praktisch vor Ort unterstützt. Weiteres Engagement erfolgt aus den Männergruppen heraus im lokalen Kontext. Die Gestaltung sozialer Verantwortung ist ein zentrales Element männlicher Spiritualität. Deshalb ist es das Ziel, weitere Kristallisationspunkte sozialen Engagements in Westfalen zu schaffen und mehr Männer zu freiwilligen Diensten einzuladen.

 

Beschreibung des Projekts Nadeshda auf den Internetseiten des Instituts für Kirche und Gesellschaft

Aktuelle Informationen aus der Projektarbeit

Die Internetseiten des Kinderzentrums in Russisch, Englisch und Deutsch

Die Internetseiten des Vereins "Leben nach Tschernobyl" in Frankfurt am Main - zusammen mit uns und der Männerarbeit EKD Teilhaber am Projekt

Energiepolitische Entwicklungen in Belarus

Artikel aus der UK

Begegnungstagung der Männerarbeit lädt zum Dialog zwischen deutschen und weißrussischen Bürgerinnen und Bürgern ein.

Bereits im Sommer 2007 wurde in dieser Zeitung darüber berichtet: „der grüne Hahn geht nach Weißrussland“, so hieß es damals, nachdem die ersten Kontakte zwischen den deutschen Experten  und den weißrussischen Vertretern hergestellt wurden.

Inzwischen ist es soweit: der grüne Hahn, das Umweltmanagementsystem der Ev. Kirche von Westfalen ist nun auch in Belarus präsent. Auch wenn der „grüne Hahn“  in Belarus zum „weißen Storch“  geworden ist, so sind es eben doch die gleichen Prinzipien, welche die westfälischen Umweltexperten Klaus Breyer und Hans-Jürgen Hörner im Rahmen des Förderprogramms Belarus in vier weißrussische Einrichtungen vermittelt haben: diese Einrichtungen sind das Erholungszentrum Nadeshda am Wilejka – See für Kinder aus der Tschernobyl-Region, das Johannes-Rau-Haus des IBB in Minsk, die Organisation Frauen für die Wiedergeburt der Narotsch-Region im Dorf Komarowo sowie die russisch – orthodoxe Gemeinde „Aller Trauernden Freude“  in Minsk.

Nachdem die vier Einrichtungen nun zertifiziert worden sind, werden sie jetzt nach der gründlichen Bestandsanalyse erste Schritte zur Umsetzung der Ergebnisse gehen. Dazu diente auch eine finanzielle Unterstützung der Ev. Kirche von Westfalen.

Mit dem erfolgreichen Abschluss dieses  Projekts ist ein weiterer Höhepunkt in der langjährigen Partnerschaft zwischen der Männerarbeit im Institut für Kirche und Gesellschaft von Westfalen, die die Projektleitung auf deutscher Seite innehatte, sowie den Menschen in Belarus erreicht. Diese Partnerschaft manifestiert sich nach wie vor besonders durch das leidenschaftliche  Engagement von Männern (und auch Frauen) für das Kinderzentrum Nadeshda, in dem sich Kinder erholen, die auch 23 Jahre nach der Reaktorkatastrophe an  deren Folgen leiden.

Dass eine Wiederholung einer solchen Katastrophe sich nicht noch einmal wiederholen soll ist dabei allgemeiner Wunsch.  Wie in diesem Zusammenhang allerdings mit der Atomkraft umgegangen werden soll, wird in beiden Ländern, in Deutschland wie auch in Belarus kontrovers diskutiert. In Belarus hat sich jetzt jedoch offensichtlich das Bestreben durchgesetzt, ein neues Atomkraftwerk mit Unterstützung der internationalen Atomlobby zu bauen.

Viele von den deutschen Freunden von Nadeshda reagierten mit Unverständnis auf diese Nachricht.  Allerdings spielt auch die allgemeine Situation der Energieversorgung in Belarus eine große Rolle. Um sich über diese Fragen zu verständigen ist die Form des Dialogs immer noch die geeigneteste. Dazu dient eine deutsch – belarussische Begegnungstagung vom 02. – 10. Juni in der Kommende in Dortmund. Verschiedene Referenten regen die Diskussion aus verschiedenen Richtungen an: aus Belarus gibt es Referate eines Zeitzeugen von 1986 und einer Referentin, die die gegenwärtige Situation beschreibt. Die deutschen Referenten beschreiben  Beweggründe für den Atomausstieg sowie regionale Alternativen des Umgangs mit regenerativen Energien.

Welche Meinungen auch immer in diesem Dialog ausgetauscht werden: letztendlich sollten wir vor allem die Verantwortung dafür übernehmen, dass sich die Tschernobyl-Katastrophe nicht wiederholt.

Ralf Höffken

UNSERE KIRCHE
Nr. 25, Seite 10


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